Siciliano
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Barocke Altstadtgasse in Sizilien
Storia e cultura

Kultur und Geschichte Siziliens

Kaum ein Ort in Europa wurde von so vielen Völkern geprägt. Man sieht es in den Kirchen und Palästen, man hört es in der Sprache, und man schmeckt es auf dem Teller.

Sizilien liegt mitten im Mittelmeer, an der Kreuzung zwischen Europa, Afrika und dem Orient. Diese Lage hat die Insel über Jahrtausende begehrt gemacht. Jede Herrschaft hat Spuren hinterlassen, und genau diese Mischung macht die sizilianische Küche so eigenständig. Deshalb sagen wir im Siciliano: Wir kochen nicht italienisch, wir kochen sizilianisch.

Die Zeitleiste in Kürze

  • Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.: Griechen gründen Kolonien wie Syrakus, Phönizier und später Karthager siedeln im Westen.
  • 241 v. Chr.: Nach dem Ersten Punischen Krieg wird Sizilien die erste Provinz Roms.
  • 6. Jahrhundert: Die Insel kommt unter byzantinische Herrschaft.
  • Ab 827: Die Araber erobern Sizilien schrittweise, Palermo wird eine blühende Metropole.
  • 11. Jahrhundert: Die Normannen übernehmen die Insel, 1130 wird Roger II. König von Sizilien.
  • 13. Jahrhundert: Unter dem Staufer Friedrich II. ist der Hof von Palermo ein Zentrum von Kunst und Wissenschaft. 1282 vertreibt die Sizilianische Vesper die Franzosen.
  • Bis 1860: Aragonesen, Spanier und Bourbonen herrschen, zuletzt im Königreich beider Sizilien.
  • 1860: Garibaldi landet mit dem „Zug der Tausend“ in Marsala, kurz darauf wird Sizilien Teil des geeinten Italien.
  • 1946: Sizilien erhält den Status einer autonomen Region.
  • 1986–1987: Im Maxi-Prozess von Palermo werden 344 Angeklagte aus der Mafia verurteilt.
  • 1992: Die Mafia ermordet die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Ihr Tod wird zum Wendepunkt im Widerstand gegen die Mafia.

Griechen und Römer: Tempel, Theater und Getreide

Die Griechen brachten Olivenbaum und Weinrebe in großem Stil auf die Insel und bauten Städte, deren Tempel und Theater bis heute stehen, etwa in Agrigent, Selinunt, Segesta und Syrakus. Die Römer machten Sizilien zur Kornkammer ihres Reiches. Hartweizen prägt die Insel bis heute: für Brot, für Pasta und für Grieß.

Die Araber: Zitronen, Zucker und Mandeln

Die rund zwei Jahrhunderte arabischer Herrschaft haben die sizilianische Küche wohl am stärksten geprägt. Mit den Arabern kamen Bewässerungstechniken und neue Pflanzen wie Zitrusfrüchte, Zuckerrohr und Reis in großem Umfang auf die Insel. Mandeln, Pistazien, Rosinen, Safran und Zimt fanden ihren Weg in die Küche. Daher stammt die typisch sizilianische Verbindung von süß und sauer, von Rosinen und Pinienkernen in pikanten Gerichten. Auch Couscous, in Trapani bis heute mit Fisch zubereitet, und viele Süßspeisen gehen auf diese Zeit zurück.

Die Normannen: goldene Mosaiken

Die Normannen übernahmen vieles von dem, was sie vorfanden. Sie ließen arabische, byzantinische und lateinische Handwerker zusammenarbeiten. So entstanden die Cappella Palatina in Palermo sowie die Kathedralen von Monreale und Cefalù. Diese arabisch-normannischen Bauten gehören seit 2015 zum UNESCO-Welterbe.

Spanier und Bourbonen: Barock und Tomaten

Unter spanischer Herrschaft kamen Produkte aus der Neuen Welt nach Sizilien: Tomaten, Paprika, Kakao und Kaktusfeigen. Kaum vorstellbar, dass die sizilianische Küche früher ohne Tomate auskam. Nach dem Erdbeben von 1693 bauten die Städte im Südosten ihre Zentren im prachtvollen Spätbarock neu auf. Klöster verfeinerten in dieser Zeit die Kunst der Süßspeisen, von Cannoli bis Cassata.

Die Mafia – und eine Insel, die sich wehrt

Zur Geschichte Siziliens gehört auch ein dunkles Kapitel. Die Mafia entstand im 19. Jahrhundert: Nach dem Ende des Feudalsystems suchten viele neue Grundbesitzer Schutz für Land, Vieh und die wertvollen Zitrushaine, und der Staat war kaum präsent. Aus diesen „Beschützern“ wurde eine Organisation, die mit Erpressung und Gewalt Wirtschaft und Politik der Insel über Generationen belastet hat. Das erpresste Schutzgeld heißt auf Sizilien „pizzo“.

Den Wendepunkt brachten die Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Im Maxi-Prozess von Palermo wurden 1987 insgesamt 344 Angeklagte verurteilt. 1992 ermordete die Mafia beide Richter: Falcone am 23. Mai bei Capaci, Borsellino am 19. Juli in Palermo. Die Anschläge lösten auf ganz Sizilien eine Welle des Widerstands aus. Heute trägt der Flughafen von Palermo ihre Namen.

Seither wehrt sich die Insel sichtbar. 2004 klebten junge Leute in Palermo Zettel an die Wände: „Ein ganzes Volk, das Pizzo zahlt, ist ein Volk ohne Würde.“ Daraus entstand die Bewegung Addiopizzo, die Geschäfte ohne Schutzgeld und ihre Kundschaft zusammenbringt. Die 1995 gegründete Vereinigung Libera setzte durch, dass beschlagnahmter Mafia-Besitz der Gesellschaft zugutekommt. Auf solchen Böden arbeiten heute Genossenschaften in der Landwirtschaft.

Für uns gehört das zur ehrlichen Geschichte Siziliens. Sizilien ist nicht die Mafia. Sizilien sind die vielen Menschen, die sich jeden Tag gegen sie stellen.

Lebendige Traditionen

Die Opera dei Pupi, das sizilianische Marionettentheater mit Geschichten der Ritter Karls des Großen, gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Bunt bemalte Karren, die Keramik aus Caltagirone mit ihren Treppen aus Majolika und die großen Heiligenfeste wie das Fest der heiligen Rosalia in Palermo oder der heiligen Agata in Catania zeigen, wie lebendig die Traditionen sind. Und die Sprache: Das Sizilianische hat Wörter aus dem Griechischen, Arabischen, Französischen und Spanischen bewahrt.

Sizilianische Spezialitäten: Arancine, Cannoli und Caponata
Auf dem Teller treffen sich die Epochen: Reis aus arabischer Zeit, Tomaten aus der Neuen Welt, Süßes aus den Klöstern.
Storia da gustare

Geschichte, die man schmeckt

Wenn Sie wissen möchten, wie sich diese Geschichte anfühlt, kommen Sie zu uns nach Seekirchen am Wallersee.

Häufige Fragen

Warum ist die sizilianische Küche anders als die italienische?

Sizilien wurde von Griechen, Römern, Arabern, Normannen und Spaniern geprägt. Vor allem der arabische Einfluss mit Zitrusfrüchten, Mandeln, Rosinen, Safran und der Verbindung von süß und sauer unterscheidet die sizilianische Küche deutlich von der Küche des italienischen Festlands.

Was brachten die Araber nach Sizilien?

Unter arabischer Herrschaft ab dem 9. Jahrhundert verbreiteten sich auf Sizilien Zitrusfrüchte, Zuckerrohr, Reis sowie neue Bewässerungstechniken. Mandeln, Pistazien, Safran und Zimt prägen die sizilianische Küche bis heute.

Wie geht Sizilien heute mit der Mafia um?

Seit den Morden an den Richtern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 wehren sich viele Sizilianerinnen und Sizilianer offen gegen die Mafia. Die Bewegung Addiopizzo aus Palermo unterstützt Geschäfte, die kein Schutzgeld zahlen, und die Vereinigung Libera sorgt dafür, dass beschlagnahmter Mafia-Besitz sozial genutzt wird, etwa von landwirtschaftlichen Genossenschaften.

Seit wann gehört Sizilien zu Italien?

Nach der Expedition Garibaldis 1860 wurde Sizilien Teil des Königreichs Italien, das 1861 ausgerufen wurde. Seit 1946 ist Sizilien eine autonome Region.